Der Deutsche Qualifikationsrahmen

DQR-LogoBildung neu definiert
13 Jahre nach dem Start der Studienreform, dem Bologna-Prozeß, kommt man in Deutschland auch beim Kopenhagen-Prozeß einen Schritt weiter. Im „Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)“ werden jetzt bundeseinheitlich die Berufs- und fast alle Bildungsabschlüsse über vier Anforderungen in acht Stufen beschrieben.

Darauf haben sich am 31.01.2012 „Vertreter der Bundesregierung, Länder, Arbeitgeber und Gewerkschaften geeinigt. Dies wird langfristig auch Einfluss auf die Eingruppierungs- und Vergütungssysteme haben, auch wenn dies kaum einem Praktiker heute schon bewußt ist.

Durch den DQR werden alle Qualifikationen von der Berufsvorbereitung bis zur Promotion in acht Stufen eingeordnet. Unterschieden wird dabei an Hand von vier Kategorien: Wissen, Fertigkeiten, Soziale Kompeten und Selbständigkeit. Methodik wird als übergreifende Fähigkeit aller Bereiche gesehen. Mit der Einbindung des DQR in den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) soll eine Vergleichbarkeit auch im europäischen Raum verbessert und die berufliche Mobilität gefördert werden.

DQR-Schema

Wissen anwenden können
Das Ziel war es eine Paradigmenwechsel herbeizuführen Wichtig soll sein, was jemand kann und nicht, wo es gelernt wurde. Damit wendet man das neue Prinzip des Bologna-Prozesses an. Wichtig ist hier, was die Studierenden an Lernergebnissen anwenden können (konkreter „outcome“) und nicht das, was vermeintlich vermittelt wurde (input-Orientierung). Durch den DQR soll die Notwendigkeit eines lebenslange Lernens (sog. Kopenhagen-Prozeß) insgesamt gestärkt werden.

DQR-StufenBei der Anwendung der DQR-Matrix ist zu beachten, dass jeweils auf einem Niveau gleichwertige, nicht gleichartige Qualifikationen abgebildet werden. Das bedeutet, dass Merkmale, die bereits auf einer unteren Stufe beschrieben wurden, auf den folgenden höheren Stufen nicht erneut erwähnt werden, es sei denn, sie erfahren eine Steigerung. Aber Achtung. Für die Beschreibung der Fachkompetenz bedeutet dies nicht, dass das jeweils höhere Niveau das Wissen und die Fertigkeiten der vorherigen Stufe beinhaltet ist.

Sprengstoff Stufe 6
Gerade die Stufe 6 birgt m.E. für zukünftige Stellenbeschreibungen und Eingruppierungen einen erheblichen, den Praktikern noch nicht bewusster, Sprengstoff. Denn hier werden der praxisorientierte Meister oder Techniker dem akademischen Bachelor gleichwertig gestellt.

Aber kein Beschluss ohne Streit. Über den Stellenwert der allgemeinbildenden Schulabschlüsse einschließlich des Abiturs konnte man sich nicht verständigen. Man dies nach fünf Jahren Praxis erneut verhandeln.

Auch unklar bleibt zur Zeit noch die Einordnung der älteren Abschlüsse, wie grad. Ing., Dipl.(BA) oder Dip. (FH). Vielleicht will man hier solange warten, bis sich diese Probleme durch einen Vorruhestand der Betroffenen von selbst erledigt haben.

Weiterführende Literatur:
Broschüre zum DQR
Broschüre zum EQR.

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