Die Kernkompetenzen in der Arbeitswelt 4.0

Sie wollen wissen, was Arbeitgeber zukünftig von Ihnen auch erwarten?

Eine aktuelle Studie (PDF) zu den wichtigsten überfachlichen Kompetenzen, über die Sie in der Arbeitswelt 4.0 verfügen sollten, zeigt 22 Kernkompetenzen (auch als Metakompetenzen oder Schlüsselqualifikationen bezeichnet) auf, die neben Ihrer Fachkompetenz für Sie bei der Personalauswahl entscheidend sein können.

Denn gerade die Veränderung in der Arbeitswelt, wie dem ökologischer Umbau, der zunehmenden Digitalisierung, der Arbeitsflexibilisierung oder aktuell der Corona-Krise, erfordern von Ihnen dabei weit mehr als die klassischen fachlichen Kompetenzen.

So sind „kontinuierliches Lernen und Erwerben neuer Kompetenzen für die Arbeitstätigkeiten sind notwendig. Dabei spielen Selbststeuerung und Selbstorganisation eine wesentliche Rolle für die eigene Weiterentwicklung. Die Herausforderung besteht darin, flexibel auf Anforderungen zu reagieren, in wechselnden Arbeitskontexten erfolgreich handelnzu können und dabei gesund zu bleiben.“

Die Studie aus 2019/2020 von Prof. Dr. Nele Graf wurde in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Personalerinitiative Wege zur Selbst-GmbH e.V. erarbeitet, zeigt die außerfachlichen Kompetenzen auf, die Sie benötigen, um in der zukünftigen Arbeitswelt erfolgreich zu sein.

Das Modell der Metakompetenzen (siehe Grafik) unterscheidet 11 elementare und 11 notwendige Metakompetenzen. Die „elementaren Metakompetenzen“ sind unabdingbar damit Sie erfolgreiches in der neuen Arbeitswelt handeln können. Die „notwendigen Metakompetenzen“ bieten Ihnen einen zusätzlichen Vorteil, um mit den Anforderungen der Arbeitswelt besser umgehen zu können.

Beide Gruppen sind je noch einmal unterteilt in Kompetenzen die Sie in jeder Aufgabenstellung benötigen und in Kompetenzen die situativ, also nur bei bestimmten Anforderungen der Stelle relevant sind.

Die Studie geht darüber hinaus noch auf weitere Aspekte, wie eine Verschiebung der Wichtigkeit einzelner Kompetenzen in der heutigen zur zukünftigen Arbeitswelt oder wieviele Mitarbeiter*innen schon heute über dies verfügen ein.

Die elementaren Metakompetenzen
Selbstorganisation
ist die Fähigkeit, das eigene Handeln aktiv und weitgehend unabhängig von unterstützenden oder störenden Faktoren situationsentsprechend zu realisieren. Es baut auf Selbstständigkeit und Eigenaktivität des Handelnden, auf Selbsterfahrung und Selbstkontrolle, einschließlich der notwendigen Selbstkritik.

Kommunikationskompetenz
ist die Fähigkeit konstruktiv, effektiv und bewusst zu kommunizieren, um vorteilhafte Ergebnisse und Lösungen zu erzielen, ohne Kommunikationspartner zu frustrieren. Im Virtuellen ist es die Fähigkeit, in Wort und Schrift zu kommunizieren und dieses den Kanälen anzupassen.

Digitale Grundkompetenzen
ist die Fähigkeit digitale Daten, Informationen und Inhalte zu speichern, zu managen und zu organisieren sowie mittels digitaler Technologien zu kommunizieren und zu kollaborieren und Probleme zu lösen. Zudem können digitale Inhalte erstellt und Rechte und Lizenzen beachtet sowie Geräte und Daten geschützt werden.

Lernkompetenz
ist die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen durch Wissen über eigene Lernpräferenzen und die Gestaltung des eigenen Lernprozesses unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der Organisation.

Selbstreflexion
bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, über die eigene Situation nachzudenken. Reflexionen von äußeren oder inneren Beobachtungen können als Chancen zum Erkennen von Problemen und Ansatzpunkten für Veränderungen angesehen werden.

Kundenorientierung
ist die Fähigkeit zur regelmäßigen, systematischen Erfassung und Analyse der Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden sowie deren Umsetzung.

Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit)
ist die Fähigkeit von Menschen, auf Anforderungen in sich ändernden Situationen flexibel und angemessen zu reagieren und stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Situationen ohne psychische Folgeschäden zu meistern.

Umgang mit Unsicherheit/ Risiko
ist die Fähigkeit in Situationen Entscheidungen zu treffen und zu handeln, in denen nur Wahrscheinlichkeiten und Ungewissheit über Ergebnisse bestehen.

Informationsmanagement
ist die Fähigkeit zur Suche, Strukturierung, Speicherung, Verbreitung sowie der Prüfung des Wahrheitsgehalts von Informationen. Qualitätskriterium ist, dass die richtige Information die richtige Person im richtige Format zur richtige Zeit erreicht.

Verantwortungsbereitschaft
ist einerseits das Bewusstsein über die Verpflichtung und Berechtigung zum selbstständigen Handeln und zur Erfüllung einer Aufgabe sowie andererseits die Bereitschaft für damit verbundenen Auswirkungen des eigenen Handelns die Verantwortung zu übernehmen.

Umgang mit Komplexität
ist die Fähigkeit mit vielen Variablen, deren starker Vernetzung und Abhängigkeit sowie Intransparenz umzugehen. Dadurch können gegenseitig beeinflussende und sogar widersprechende Ziele sowie zunehmende Unsicherheit gehandhabt werden.

Weitere notwendige Metakompetenzen
Selbstwirksamkeit
ist die Überzeugung, dass man fähig ist, etwas zu erlernen oder eine bestimmte Aufgabe auszuführen und damit auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.

Kritisches Denken
ist die Fähigkeit Wertvolles von Wertlosem zu unterscheiden und Hypothesen auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Dazu werden Belege und Gegenbelege unabhängig von der eigenen Position bewertet und in eine Schlussfolgerung überführt.

Interkulturelle Kompetenz
ist die Fähigkeit, mit Individuen und Gruppen anderer Kulturen erfolgreich und angemessen zu interagieren, im engeren Sinne die Fähigkeit zum beidseitig zufriedenstellenden Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Orientierung.

Netzwerkkompetenz

ist die Fähigkeit Netzwerke aufzubauen und zu pflegen, in diesen zu arbeiten und für die eigene Weiterentwicklung zu nutzen.

Kreativität

ist die Fähigkeit zur Entwicklung und Ausarbeitung von originellen, d.h. neuen bzw. ungewöhnlichen Ideen. Dabei werden Alternativen zu herkömmlichen Problem-lösungswegen herausgearbeitet und realistische, zielgerichtete Entscheidungen getroffen.

Konfliktkompetenz

ist die Fähigkeit zum Erkennen von Interessengegensätzen, die persönliche Toleranz, Meinungen anderer auch dann noch zuzulassen, wenn sie der eigenen Vorstellung wider-sprechen sowie die individuelle Bereitschaft zur Konfliktbearbeitung. Dazu gehört auch die eigene Konfliktfähigkeit zu reflektieren sowie die notwendige Kompromissbereitschaft aufzubringen.

Empathie
ist die Fähigkeit, sich treffsicher in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Dadurch kann man das Verhalten einzelner Menschen oder ganzer Gemeinschaften (Teams oder Organisationen) besser vorhersagen (antizipieren) und sich gezielt darauf einstellen.

Prozessverständnis
ist die Fähigkeit zum Verstehen von Prozessen, Abläufen, Zusammenhängen und deren Auswirkungen. Es beschreibt das Vermögen, ein komplexes System gedanklich oder physisch in seine Elemente bzw. Subsysteme zu zerlegen sowie Zusammenhänge aufzudecken und beeinflussbare Variablen und Parameter des Systems zu gestalten.

Transferfähigkeit
ist die Fähigkeit, verstandene Prinzipien oder Strukturen auf Neues oder Ähnliches zu übertragen, unabhängig von der Situation erinnern und anwenden zu können.

Anpassungsfähigkeit
ist die Fähigkeit sich im Rahmen der Arbeit mit anderen in Gruppen (Teams), Unternehmen und Organisationen so einzubringen, so dass die gemeinsamen Ziele schneller und besser erreicht werden, ohne dabei die eigene Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit einzuschränken.

Beziehungsgestaltung
ist die Fähigkeit mit unterschiedlichen Menschen in produktive Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen zu treten und diese auch langfristig aufrecht zu erhalten.

Niemand kann natürlich zu 100 % über alle diese Kompetenzen verfügen, aber durch das System des lebenslangen Lernen kann man/frau stetig daran arbeiten. Gerade aber in der Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen sollten Ihnen die Erläuterungen eine Hilfe sein. Viel Erfolg dabei.

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